Was passiert, wenn ein professionelles Jazzquartett, drei Schul-Big-Bands, mehrere Bandleader und fünf Tage Jazz aufeinandertreffen? Richtig: Es wird fuhrios, um eines der vielen liebenswürdigen Wortspiele um den Nachnamen des Saarlouiser Bandleaders Lothar Fuhr zu zitieren.
Eine besondere Freundschaft verbindet die Schul-Big-Bands des Schubart-Gymnasiums Aalen und des Robert- Schumann-Gymnasiums Saarlouis. Bei der Breisacher Jazzbegegnung trafen die beiden Ensembles nun zusammen mit dem Breisacher Pendant des MSG erneut aufeinander, um gemeinsam tief ins Jazzuniversum einzutauchen. Ausgebreitet wurde dieses vom künstlerischen Leiter Stefan Merkl und seinem hochkarätigen Dozenten- und Musikerteam, das er aus professionellen Musikern der südbadischen Jazzszene zusammenstellte.
Fünf Tage lang wurde gespielt, ausprobiert, improvisiert und vor allem: gemeinsam Musik gemacht. Freie Improvisationen, kreatives Zusammenspiel und erdiger Funk standen ebenso auf dem Programm wie die von den Jugendlichen selbst entwickelten musikalischen Ideen – von Uranus über Rhabarber, Radiescheneis und Doktorentitel bis hin zu leider allzu realen Machtspielchen im Schulkontext, über die Ella aus der sechsten Klasse einen unfassbar reifen Rap verfasste und performte. Die Fußballhymne „RVA All Day“ durfte dabei natürlich nicht fehlen.
Die Breisacher Jazzbegegnung der Schulen ist mehr als ein Workshop in Sachen Jazz. Die zentrale Frage des diesjährigen Festivals – „Klebst du noch oder pflegst du schon?“ – führte die jungen Musikerinnen und Musiker mitten hinein in die Auseinandersetzung mit dem eigenen musikalischen und persönlichen Ausdruck. Es ging darum, den eigenen Funken zum lodernden Feuer werden zu lassen – und dabei auch Äste, Dornen und Gefühle nicht wegzupolieren. Denn gerade das Unperfekte, Eigensinnige und Ehrliche gehört zur Authentizität: in der Musik ebenso wie in der Persönlichkeitsentwicklung und im sozialen Miteinander.
Wie kraftvoll daraus Musik entstehen kann, zeigte das tolle Abschlusskonzert. Die Festival Big Band und zahlreiche Combos in unterschiedlichsten Besetzungen brachten die herfuhrragenden Ergebnisse der gemeinsamen Arbeit auf die Bühne der Breisacher Stadthalle. Was dort entstand, war weit mehr als ein gelungenes Konzert: Musik als psychologischer und akustischer Resonanzraum, als gelingende Begegnung und verbindende Kraft.
Für die SG Big Band war die Jazzbegegnung ein besonderer Auftakt ins neue Schuljahr. Gleichzeitig nutzte das Ensemble die Gelegenheit, sich herzlich bei Mirjam Hehr zu bedanken, die im vergangenen Schuljahr die Leitung der Big Band übernommen hatte. Sie widmet sich nun wieder intensiv ihrem Musikstudium.
Und so gibt es beim SG an dieser Stelle einen kleinen musikalischen Wechsel: Magnus Barthle kehrt mit neuen Ideen aus seinem Sabbatical zurück und übernimmt wieder die Leitung der SG Big Band.
Die Reise durchs Jazzuniversum geht am SG also weiter. Ein steiler Groove ist gesetzt.
