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Steine gegen das Vergessen – Stolpersteine in Aalen

Bestimmt hat jeder von euch schon mal diese auffälligen Pflastersteine gesehen: glänzende Oberfläche mit eingravierter Schrift. Diese Steine sind an einigen Stellen in der Stadt im Boden eingelassen. Doch was ist das?

Ella L. (9b) hat im Rahmen ihrer GFS im Fach Geschichte bei Frau Heilani das Thema Stolpersteine behandelt. Nach ihrer GFS hat Ella die Klasse zu dem Stolperstein von Norbert Tugendhat geführt, einem ehemaligen Schüler des SGs. Dort wurde der Stein poliert und eine Gedenkminute eingelegt.

Das sind Stolpersteine, Erinnerungsdenkmäler an Ermordete von den Nationalsozialisten im Zweiten Weltkrieg. Jeder Stein ist einem Opfer gewidmet. Darauf stehen Informationen über ihr Leben: der Name, das Geburtsdatum, das Inhaftierungsdatum und manchmal auch der Grund, der Inhaftierungsort und das Sterbedatum. Diese Steine werden von Gunter Demnig und seinem neunköpfigen Team hergestellt, um gegen das Vergessen der Ermordeten zu arbeiten. Denn im Zweiten Weltkrieg wurden so viele Menschen umgebracht, dass man in den meisten Fällen gar nicht mehr weiß, wer diese Menschen alle waren. Demnig hat in einem Interview mal gesagt, dass Menschen erst vergessen sind, wenn man ihren Namen vergessen hat. So treffen jedes Jahr hunderte Geschichten von Opfern in Demnigs Werkstatt ein, mit der Bitte, ihnen einen Stein zu widmen. Die Herstellung eines solchen Steins dauert mehrere Monate, da jeder Stein handgearbeitet ist. Auch das hat einen Grund: Man möchte mit der Handarbeit der fast schon maschinellen Tötung der Juden in den Konzentrationslagern entgegenwirken.

Der erste Stein wurde 1992 in Köln verlegt. Er sah noch nicht so aus, wie wir die aktuellen Steine kennen. Denn auf ihm wurde der Befehl eingraviert, dass alle Menschen, die anders waren, als die nationalsozialistische Ideologie es vorsah, effizient umgebracht werden sollten. Mit diesem Stein wurde der Anfang für weitere 100.000 Stolpersteine gesetzt. Zum Beispiel enthält der 50.000. Stein die Lebensdaten von Eleonora Levi aus Italien. Sie war Jüdin und wurde in Auschwitz, dem größten Vernichtungslager der Nazis, 1944 getötet.

Auch in Aalen gibt es Stolpersteine. In Aalen und Umgebung sind es 7, für alle Jüdinnen und Juden bzw. deren Familien, die zu der Zeit in Aalen gewohnt haben. In Aalens Innenstadt findet man die Familien Heilbronn und Pappenheimer und den Stein von Johannes Schneider. Fanny Kahn hat zusätzlich noch einen eigenen Weg, der nach ihr benannt worden ist. An unserer Schule könnt ihr auch einen Stolperstein finden: An der Bushaltestelle bei uns am SG habt ihr den Stolperstein von Norbert Tugendhat sicher schon entdeckt. Seine Geschichte möchte ich euch erzählen.

Er wurde am 10.11.1896 in Großeislingen geboren. Er ging bis 1914 aufs SG, weshalb der Stein auch hier liegt. Danach musste er in den Ersten Weltkrieg ziehen, wo er eine schwere Kopfverletzung erlitt. Danach heiratete er Anna Löw in Hamburg. Gemeinsam flohen sie nach Paris, um den Nationalsozialisten in Deutschland zu entkommen. Doch auch Frankreich wurde von den Nazis besetzt und so wurden die beiden im Jahr 1939 im Sammellager „Drancy“ inhaftiert. 1944 wurde Norbert nach Auschwitz deportiert. Hier wurde er als „arbeitsfähig“ eingeteilt. So kam er erst in das Arbeitslager KZ Stutthof und danach ins Arbeitslager Hailfingen. Hier musste er mit vielen weiteren Häftlingen schwere körperliche Arbeit verrichten. Die Häftlinge wurden stark misshandelt, geschlagen oder gefoltert. Unter diesen schrecklichen Bedingungen hielt Norbert Tugendhat es nicht lange aus und ist am 2.12.1944 zusammengebrochen und daraufhin erschossen worden. Seine Familie wusste lange nichts von seiner Deportation und auch von seiner Ermordung. Erst 2014 haben sich entfernte Verwandte auf die Suche nach Norberts Spuren gemacht. Daraufhin bekam er einen Stolperstein hier an seiner ehemaligen Schule.

Jetzt wisst ihr viel über Stolpersteine und die Menschen dahinter. Ich fasse es noch mal zusammen: Die Stolpersteine beinhalten den Namen und wichtige Informationen aus dem Leben der getöteten Person. So wirken die Steine gegen das Vergessen der Personen. Außerdem werden so die nächsten Generationen an die Massentötungen des Zweiten Weltkriegs erinnert. Zusätzlich zeigen die Steine, wo die Menschen gelebt haben, da die Stolpersteine meistens vor ihren Wohnorten oder an wichtigen Plätzen ihres Lebens liegen. Dadurch wird verdeutlicht, dass diese Menschen genauso gelebt haben wie wir, in den gleichen Häusern, wo wir heutzutage leben, und sie nicht anders waren. Und das für mich Wichtigste ist, dass uns die Steine, wenn wir die Straße hinauflaufen, an die Opfer erinnern. Wir werden in unserem Alltag angeregt, über die Opfer nachzudenken, und man fängt an, sich das Leben früher vorzustellen. So wird man unverschont damit konfrontiert.

Auch wir können etwas gegen das Vergessen tun. Es gibt Stolperstein-Apps, mit denen man sich über die Menschen, an die der Stein gedenkt, informieren kann. Oder man kann die Steine putzen und sauber halten, damit man aufmerksam auf den Stein wird.

Das Putzen geht ganz einfach:

  1. Den Stein mit einem Lappen befeuchten
  2. Mit einem rauen Schwamm und Messingputzmittel einreiben
  3. Mit einem Handtuch polieren
  4. Mit Wasser abspülen

Falls ihr euch noch weiter zum Thema Stolpersteine informieren möchtet:

Ella L. 9b

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