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Ein Tor erzählt

 

Wie fühlt es sich an, ein stummer Zeuge der Geschichte zu sein? Im Geschichtsunterricht bei Frau Heilani ließ die Klasse 9b nach ihrem Besuch in der KZ-Gedenkstätte Dachau die Objekte vor Ort selbst zu Wort kommen. In inneren Monologen schlüpften sie in die Rolle von Exponaten: Was hat das Tor gesehen? Was „denken“ die Mauern über die Besucher von heute? Entstanden sind bewegende Texte, die aufrütteln.

Seit vielen Jahren stehe ich schon hier und ich kann sagen:

Im Moment sind es nicht die schlimmsten Jahre.

Trotzdem gehen viele Menschen durch mich hindurch,

manche zwar bedrückt oder traurig,

aber nie in wirklicher Gefahr.

Aber das war nicht immer so,

denn ich bin das Tor des Konzentrationslagers in Dachau.

 

Auf mir prangt in großen Lettern „Arbeit macht frei“ –

was ein Sarkasmus, denn hier war niemand wirklich frei.

Nicht die Wachleute und auch kein Häftling,

nicht die Maus und auch kein Sperling.

Ich sah die einst glücklichen Menschen kommen in Scharen,

die ab ihrem Eintritt doch so gut wie tot waren.

Jeden Tag kamen mehr und mehr,

doch nach mir gab es keine Hoffnung mehr.

Denn ich war das Tor zum grausamen Tod,

Veilchen sind blau und Blut ist rot.

 

Ich sah viele Menschen sterben,

sah von zerbrochenen Dingen die Scherben.

Nicht viele gingen zweimal durch mich,

doch die, die es taten, waren auch nicht glücklich.

Denn ich war das Tor zum grausamen Tod, Veilchen sind blau und Blut ist rot.

 

Doch dann kam der Tag, sie wurden befreit,

kaum jemand kam zurück, der Weg war zu weit. Viele Jahre stand ich nur so herum,

alles war still und auch ich stand stumm.

Heute bin ich der Eingang zu einem Ort des Gedenkens,

sehe kein Leid mehr und trotzdem Tränen.

Doch einst war ich das Tor zum grausamen Tod,

denn Veilchen sind blau und Blut ist rot.

verfasst von Carla Weber (9b)

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